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 | 11/07/2015

Maltechnik – ein Aquarellbild entsteht…


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Am Beispiel des Werkes Eisland möchten ich Ihnen zeigen, wie meine Aquarellbilder aus der Serie: „Märchenhafte Städte“, entstehen.

Das Trägermaterial ist Aquarellpapier. Dieses Papier wird speziell für die Maltechnik des Aquarellierens hergestellt und meist aus Hadern (recycelte Baumwollstoffe) oder direkt aus Baumwolle, je nach Anwendung versetzt mit holzfreiem Zellstoff (aufgelöste Holzfasern, denen das Lignin entzogen wird) oder komplett aus Zellstoff, geschöpft.

Aquarell- Maltechnik gelöste Pigmente auf Aquarellpapier

Aquarell- Maltechnik Colorierung

Ein Kunstwerk entsteht! Colorierung in Detailansicht

Die Oberfläche von Aquarellpapier muss die Farbe, die aus in Wasser gelösten Pigmenten besteht, gut aufnehmen. Das bedeutet, dass das Wasser gut ins Papier einziehen muss, und zwar so, dass die Farbe nicht verläuft. Auch darf sich die von Natur aus leicht wellige Oberfläche nicht verformen oder gar auflösen, wenn sie beim Malen mit Wasser in Berührung kommt. Auch muss die Oberfläche des Papiers radierbar sein, damit man sein Motiv zunächst skizzieren kann.

Zum Einsatz kommen Bleistift und Radiergummi, und später Aquarellfarben und sehr feine Pinsel.
Der erste Schritt findet natürlich im Kopf statt: Eine Idee für ein Aquarellbild wird geboren. Es folgen erste Skizzen auf Schmierpapier, wie bei jedem kreativen Prozess. Schließlich kristallisiert sich eine endgültige Komposition heraus, die umgesetzt werden will.
Und jetzt wird es ernst: Auf dem Blatt Aquarellpapier, das das fertige Bild schließlich tragen wird, fertigt Sonja Mengkowski mit dem Bleistift eine Skizze an.
Diese besteht aus den die Konturen aller Bildinhalte, sowie den Schattierungen.

Aquarell- Maltechnik Skizze

Ein Detail der Skizze. Später entsteht hier das eigentliche Bild. Von der Skizze wird am Schluss so gut wie nichts mehr zu sehen sein.

Noch ist nichts “in Stein gemeißelt”, noch können Details geändert werden. Wenn die Skizze schließlich steht, geht es zum nächsten Schritt.

An einem Detail aus dem o.a. Foto kann man gut erkennen, dass die skizzierten Details sehr genau dem fertigen Bild entsprechen.
Lediglich die Wolken am Himmel wurden hier nicht skizziert.
Besonders bemerkenswert ist, dass die Schattierungen dunkler Stellen, wie zum Beispiel beim Eisbär zwischen Vorder- und Hinterbeinen oder entlang der Bruchkanten der linken Eisscholle, schon jetzt angelegt sind.
Auch ist gut zu sehen, dass alle Details im Bild schon vorhanden sind, zum Beispiel die Muster der Fische.

Aquarell- Maltechnik Colorierung der Skizze

Nun erfolgt die erste Colorierung der Skizze. Noch sind die Farben sanft und wenig intensiv.

Somit ist die farbliche Richtung vorgegeben, in die das Bild sich entwickelt. Natürlich ist klar, dass das Meer dunkelblau und der Himmel hellblau ist, aber welche Farben die einzelnen Lampions bekommen sollen oder auch die Fische, wird nun entschieden. Der Fantasie sind natürlich keine Grenzen gesetzt, schon gar nicht in der Kunst.
Sonja Mengkowski verwendet hierfür Pinsel und Aquarellstifte. Da Aquarellfarben nicht deckend sind, sondern lasierend, muss man daher auch die Farbe des Untergrunds in die Farbgestaltung mit einbeziehen. Zudem ist es möglich, Farbmischungen herzustellen, indem verschiedene Farben in Schichten übereinander aufgetragen werden. Man muss die Farbe nicht, wie zum Beispiel bei Ölfarben, vorab auf einer Palette anfertigen – doch man kann dies tun, wenn man möchte.

Im nächsten Schritt werden die Farben intensiviert. Dies erfolgt durch wiederholtes Übermalen der entsprechenden Bereiche nach dem Trocknen.
Da die bereits getrocknete Farbe durch das neue Übermalen wieder nass wird und sich zu lösen beginnt, können so Farbverläufe gestaltet werden, was hier sehr gut im Ozean zu erkennen ist. Durch das Wegnehmen von frisch aufgetragener Farbe z.B. mit einem Taschentuch kann man zum Beispiel Wolkeneffekte schaffen oder auch andere Strukturen.

Aquarell- Maltechnik Colorierung Farbschichten

In vielen weiteren Arbeitsschritten werden die Farben intensiviert.

Dreidimensionale Effekte werden unter anderem durch Spitzlichter erzeugt. So nennt man die glänzenden Stellen eines dreidimensionalen Objekts. In übertriebener Form werden diese gern in den Augen der Figuren japanischer Animes verwendet, unerfahrene Fotografen kennen sie außerdem aus Fotos, in denen der Blitz von Nasenspitzen und Stirnen reflektiert. In der Malerei setzt das Spitzlicht stets Akzente, eindrucksvoll zum Beispiel in den Augen, auf den Lippen sowie dem Ohrring in Johannes Vermeers Das Mädchen mit dem Perlenohrring auf [Wikipedia].

Aquarell- Maltechnik Aquarellstifte für die Konturen

Nun werden mit Aquarellstiften und Wassertechnik Konturen verschärft.

Beim Aquarellmalen erhält man diese Spitzlichter durch Weglassen der Farbschichten in immer größeren Radien um das Spitzlicht. Dort scheint das Aquarellpapier dann am stärksten durch und erzeugt so den Effekt, hier gut zu sehen in den bunten Ballons oben im Bild. Mit einer sogenannten weißen Abdeckfarbe oder auch Maskierungsflüssigkeit kann man außerdem reinweiße Stellen schaffen, die keine andere Farbe mehr annehmen.
Nach einigen Farbschichten kann man gut sehen, wie intensiv die Farben mittlerweile geworden sind. Die Arbeit mit Aquarellfarben und Pinsel ist sehr langwierig, da so feine Details gemalt werden müssen.
Auch das Arbeiten mit Aquarellstiften ist sehr komplex, denn man muss die Mine der Aquarellstifte anfeuchten. Eine Technik besteht darin, einen sogenannten Wasserpinsel zu benutzen. Das ist eine Art Pinsel mit kleinem integriertem Wassertank, mit dem man die Borsten anfeuchten kann. So kann man Aquarellfarbe direkt vom Aquarellstift aufnehmen und damit malen. Je mehr Wasser man durch Druck nachgibt, desto blasser wird die Farbe.
Doch welche Maltechnik Sonja Mengkowski genau verwendet, wird hier nicht verraten.
Wenn alle Flächen so bemalt sind, wie sie es sein sollen, werden in einem weiteren Arbeitsschritt noch die Konturen des Bildes herausgearbeitet. Besonders gut zu sehen an den Stangen, auf denen die Eisschollen sitzen, am Horizont und am oberen Rand der Leinwand, vor der im oberen Teil des Bildes die Pinguine stehen.
Zu guter Letzt wird das Bild datiert (“März 2013″), signiert und benannt. In diesem Fall lautet der Titel Eisland – Wo Liebe wohnt, ist es nie kalt.

Aquarellbild

…die Finale Optimierung zur Weiterverarbeitung als Druckwerk

Aquarell- Maltechnik Druckvorstufe signieren

Erst, wenn das Aquarellbild ganz fertig ist, darf die Künstlerin es auch signieren.

Im Anschluss wird das Aquarellbild professionell gescannt und an digiposter übermittelt. Dort wird es für den Druck auf verschiedene Materialien und in verschiedenen Größen optimiert, so dass jedes Bild in leicht unterschiedlichen Varianten auf dem Server bereit liegt. Mit dem bloßen Auge sind die Unterschiede jedoch nicht zu erkennen. Das Original verbleibt bei Sonja Mengkowski.

Das Aquarellbild wurde auf einem DIN A4 großen Aquarellpapier gemalt. Sonja Mengkowski verwendet als Pinsel den da Vinci Maestro Rotmarder Größe 0 (Herr Mengkowski bemerkte, der habe “bloß 2-3 Haare an der Spitze”, doch ein paar mehr sind es dann schon). Entsprechend viel Arbeit muss in jedes Bild gesteckt werden. Sonja Mengkowski verriet uns, dass zwischen Entwurf und fertigem Bild üblicherweise 65 bis 70 Arbeitsstunden liegen. Und wenn man bedenkt, dass nur ein einziger falscher Pinselstrich das ganze Bild ruinieren kann.